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Wie die Ushgoroder informelle Bildung in Europa erforschten

24 January 2020 59

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Der Bildungsverein „Gombytschka“ (Knöpfchen) setzt fort, intensiv informelle Bildung zu erforschen. Anfang Dezember dieses Jahres ist es uns gelungen, die „Kulturexpedition“ nach Deutschland zu verwirklichen. Diese Bildungsreise für die Eltern mit den Kindern hat uns allen Möglichkeit gegeben, in Realität zu erleben, wie eine Stadt zu einem Bildungsraum werden kann: Wie der öffentliche Raum mit den Gedanken über die Kleinsten funktioniert (Spielplätze, Verkehrsmittel usw.), wie Kinder- und Familienprogramme in Museen und Galerien gestaltet sind, wie informelle und informelle Bildung in Deutschland organisiert ist.


Unser Team besteht aus Psychologen, Kulturmanagern, Lehrern, Menschen, die sich mit informeller Bildung beschäftigen. Jetzt möchten wir unsere Erfahrungen mit interessierten Fachleuten und Eltern hier in Transkarpatien teilen. Wir haben eine Reihe von Abhandlungen vorbereitet, die unsere Erfahrungen in Deutschland beschreiben. Wir hoffen darauf, dass das ein Anstoß für den gesamten Kultursektor sein wird, d.h. der Anstoß für viele Erwachsene, sich für Kinder und ihre Entwicklung zu öffnen, ihre Arbeit neu zu organisieren, Familien- und Kinderaktivitäten zu entwickeln oder einfach das Kind und seine Welt zu verstehen.

Ein alter Freund von Ushgorod in den deutsch-ukrainischen Beziehungen ist Peter Ehry (PDUM Partnerschaft Deutschland-Ukraine / Moldova e. V.). Dank seiner Inspiration und Unterstützung haben wir an den geplanten Standorten „grünes Licht“ bekommen. Die einwöchige Reise beinhaltete Besuch bei bioversum Jagdschloss Kranichstein, Staatstheater Darmstadt und Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Shirn Kunsthalle Frankfurt, Struwwelpeter-Museum in Frankfurt am Main, einer Waldorfschule und einem Kindergarten. Das Projekt wurde auf eigene Kosten realisiert.

In diesem Artikel geht es kurz um bioversum Jagdschloss Kranichstein in Darmstadt.

Bioversum – 11 Jahre der Evolution

Auf der Fläche von 500 m2 wurde am 28. September 2008 das Kranichstein bioversum, ein Museum für biologische Vielfalt, eröffnet. Bioversum ist ein Teil des Jagdschlosses Kranichstein. Das Museum befindet sich im zentralen Teil des historischen Gebäudes, zu dem ein Hotel, private Apartments, Trainingslabors und eine Kapelle gehören. Das Museum ist in einer Kulturlandschaft mit einer außergewöhnlichen Arten- und Lebensraumvielfalt gelegen: vom Buchenwald mit  natürlichen Bächen, Fischteichen, Wiesen und Feldern bis zum historischen Schlosspark. Als Geschichtszeuge des Landes Hessen-Darmstadt ist es ein lebendiges Beispiel dafür, wie eng die Kulturgeschichte mit der Naturgeschichte verflochten ist. Der Buchenwald ist ein Teil der Kulturlandschaft und ein Ökosystem von internationaler Bedeutung. Deutschland hat weltweit den größten Anteil an Buchenwäldern, die unter besonderem Schutz stehen. Der Großteil befindet sich gerade in Hessen.

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Das Privatmuseum bioversum hat sich zur Aufgabe gestellt, am Beispiel des Buchenwaldes und der damit verbundenen Lebensräume allen Interessierten die Bedeutung der Artenvielfalt nahezubringen.

Unsere Erfahrung

10-15 Minuten Fußweg von der Haltestelle und vor uns steht ein gepflegtes historisches Gebäude in einer grünen Oase. Das Museum beginnt mit einer kleinen Pausenecke, in der Sie und ihre Kinder die frische Luft einatmen oder kurz etwas essen können.


Beim Eingang werden wir von der Biologin Scarlett Umlauf begrüßt. Die Kuratorin für Bildungsaktivitäten sagt, dass sie nur schlecht Englisch kann, aber trotzdem spricht sie weiterhin fließend Englisch (wie wir später verstehen werden, ist das ein typischer Ausdruck der Bescheidenheit der Deutschen). Ein paar einleitende Worte und wir gehen sofort zu einem Suchspiel für die Kinder über, das den wesentlichen Grund der Aktivitäten des Museums veranschaulicht: die Erklärung der grundlegenden ökologischen, biologischen und kulturellen Zusammenhänge. Zu diesem Zweck versuchen die Kinder, jeweils zwei in der Natur intergierenden Objekte zu finden und zu verbinden. Die Bilder wurden vorher in ganzem Raum versteckt.

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Während des Spiels bleiben alle an den Interaktivitäten von Bioversum hängen.

Die Exponate laden ein, in kleine Öffnungen von Schubladen zu schauen, sich kleine Samen, Insekten, Herbarium anzusehen, Audio-Klänge der Natur zu hören; typische Artefakte der Wissenschaftler und viele andere Dinge auszuprobieren, die den Einsatz aller sensorischen Sinnes des Kindes anregen.

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Ein Feiertag kommt und das Museum wird voll. Plötzlich nehmen auch deutschsprachige Kinder an unserer Bildungsreise teil, erforschen gemeinsam die Interaktivität und kommunizieren leicht in einer universellen Kindersprache.

In den anderen Sälen wird der Geburtstag eines Gastes gefeiert. Das ist eine typische Option für europäische Museen und beinhaltet ein 2-3-stündiges Programm für Kinder mit Spielen, Workshops und einem Snack.

Wir gehen ins Trainingslabor. Der erste Eindruck ist überwältigend. Das ist ein wahres Paradies für die Systematisierung der kreativen Ideen. Ein einziger Aktenschrank mit einer Beschreibung führt euch leicht durch Tausende von Kisten mit Naturmaterial. Frau Umlauf weist darauf hin, dass in erster Linie für die Lehrer und Praktiker vorgesehen ist, die den Unterricht selbst leiten können.

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Es gibt eine Menge von Material, aber nichts, was sich eine normale Schulbiologieklasse in einer ukrainischen Schule nicht leisten könnte. Steine, Buchenrinde, Federn usw., alles, was Sie in der Natur sehen, dient hier als Lehrmaterial.


Hier wird deutlich, warum das bioversum als Sprachrohr im naturwissenschaftlichen Unterricht gilt. Diese harte Arbeit an Ideen schafft ein systematisches Verständnis der Umwelt. Und das ist natürlich eine ganz andere Art der Wahrnehmung der Information. Wenn alles berührt, gespielt, im Detail erkundet werden kann, werden die langweiligen Zeilen aus dem Lehrbuch lebendig und so lange in Erinnerung eingeprägt bleiben. Frau Umlauf betont, dass das Bildungsprojekt immer in Labor- und Naturtraining unterteilt ist, damit die Kinder ihr gesamtes erlerntes Wissen praktisch zusammenfassen könnten.

Hinten den Kisten mit Naturmaterial finden wir das Material aus dem Foodsharing. Das ist eine in Großstädten der Industrieländer weit verbreitete Bewegung, wenn die Menschen qualitativ hochwertige sowie immer noch frische Lebensmittel abholen, die dazu verdammt sind, in den Müll geworfen zu werden, und sie an alle Interessierten weitergeben. Zum Beispiel müssen Supermärkte unverkaufte Waren wegwerfen, dessen Haltbarkeit fast zu Ende ist, die Bäckerei wirft wiederum Brötchen weg, weil sie morgens frisch gebacken werden müssen. Die Schokoweihnachtsmänner werden nach Weihnahten nicht verkauft, obwohl sie noch ein Jahr verzehrt werden können. In bioversum schmelzen die Kinder Weihnachtssüßigkeiten und stellen neuen Figuren her. Sie lernen dabei, mit dem Material zu arbeiten und freuen sich, etwas mit eigenen Händen gemacht zu haben.

Sprechen wir über Vögel. Solange sich die Erwachsenen das Labor anschauen, haben Kinder Zeit, darüber nachzudenken, wie die Dinge auf dem Tisch mit Vogelfedern zusammenhängen. Und werden Sie erraten? Da sind Kissen, Tarnhose, rote Spielmaschine, Regenschirm, Kopfband. So lernen wir schnell die Funktionen von Federn, z.B., Körperschutz, weiches Nestmaterial, Tarnung in der Natur, Demonstration seines Status und der Versuch, weibliche Aufmerksamkeit zu erregen, Schutz vor Wasser und Kälte.

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Wir verwenden Legosteine und sprechen darüber, dass in der Natur alles Organische aus den Hauptmolekülen besteht, die die Grundlage für das Wachstum aller Pflanzen und Tiere bilden. Die Grundmodule sind gleich – aber die Form ist unterschiedlich. Genauso werden die gleichen Steine in Kinderhänden zu verschieden Lego-Figuren. Wir spielen Memory und suchen so nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Insekten, gleichzeitig lernen wir die Namen. Das Interesse und die Begeisterung für die Forschung sind auf einmal groß.

Street-Science-Stationen sind erstaunlich und Kinder verbringen hier unbemerkt  noch eine Stunde. Die kleinen „Wissenschaftler“ erforschen die Stimmen der Vögel durch Audiosimulatoren, finden heraus, auf welchen Bäumen sich die Vögel gerne niederlassen. Die Kinder erlernen die Grundlagen der Pflanzenklassifizierung an einer aufregenden Spielstation, Kommunikation mit einer Spieltelefonstation. Viele bewegliche Mikroskope sind überall installiert, die helfen, sich zu konzentrieren und das aktive Leben im Gras zu beobachten. Auf dem Territorium bemerken wir ein Gewächshaus, ein Modell mit einer künstlichen Flussströmung, Attrappen der Behausung eines fleischfressenden Tieres und vieles andere.

Wir verlassen dieses Bildungsparadies mit großer Begeisterung und unzähligen Fragen im Kopf.

Der Bildungsverein “Gombytschka”


Übersetzt von Viktoriya Syno

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